Neues Zuhause für das Stadt-Gedächtnis
Rund 40 000 Objekte erzählen die Geschichte Weinheims. Von archäologischen Funden über historische Möbel und Gemälde bis zu Zeugnissen der Industriegeschichte gehören sie zum Fundus des Weinheimer Museums, das hauptsächlich im Deutschordenshaus am Amtshausplatz untergebracht ist. Doch viele dieser Schätze sind bedroht. Sie brauchen einen anderen Lagerplatz.
Feuchtigkeit, Schadstoffe und Schädlinge setzen ihnen zu. Andere sind so eng gelagert, dass sie kaum noch zugänglich sind. Jetzt will die Stadt handeln. Am Mittwoch, 14. Oktober, soll der Hauptausschuss über die Anmietung eines zentralen Museumsdepots entscheiden. Die öffentliche Sitzung im Großen Sitzungssaal des Schlosses beginnt um 19.30 Uhr, zuvor findet an derselben Stelle eine öffentliche Sitzung des Ausschusses für Technik, Umwelt und Stadtentwicklung statt – dabei geht es im Wesentlichen um Baugenehmigungen und Arbeitsvergaben ab 20 Uhr.
Für die Museumssammlung, die momentan an verschiedenen - weitgehend nur schlecht geeigneten - Orten in der Stadt aufgehoben wird, sollen Räume im Hammerweg 20 in einer leer stehenden Industriehalle mit einer Fläche von rund 670 Quadratmetern angemietet werden. Dort soll die bislang auf sechs Standorte verteilte Sammlung schrittweise zusammengeführt werden. Die jährliche Miete einschließlich Nebenkosten beträgt rund 46 000 Euro, hinzu kommen Strom und Heizung. Der Mietvertrag soll am 1. Juli 2027 beginnen und zunächst drei Jahre laufen. Eine jährliche Verlängerung ist möglich.
Baumängel im Deutschordenshaus
Wie dringend der Handlungsbedarf ist, zeigt eine Untersuchung der Landesstelle für Museen Baden-Württemberg in Weinheim aus dem vergangenen Jahr. Die Fachleute stellten erhebliche Mängel fest. Im Dachgeschoss des Museums wurden unter anderem Schadstoffe und Kugelkäfer entdeckt, die Textilien und Holz angreifen. In einem Depot unter einer Turnhalle lagern historische Industrieobjekte in feuchter Umgebung, teilweise neben Streusalz. In der Pestalozzischule gefährdete bereits ein Wasseraustritt die dort untergebrachten Bestände.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Von den geschätzten 40 000 Sammlungsstücken ist bislang nur ein kleiner Teil überhaupt erfasst. Für die meisten Objekte fehlen genaue Angaben zu Standort, Zustand und Wert. Mit dem Umzug soll deshalb auch die digitale Inventarisierung vorankommen. Jedes Stück soll künftig einen festen, dokumentierten Platz erhalten.
OB hat noch mehr Ideen
Das neue Depot soll bessere klimatische Bedingungen, mehr Sicherheit und eine fachgerechte Lagerung ermöglichen. Zugleich wäre es eine wichtige Voraussetzung für eine spätere Sanierung des Museumsgebäudes. Denn dafür müsste auch die Dauerausstellung zeitweise ausgelagert werden. Die Verwaltung hält das Mietangebot für wirtschaftlich günstig. Mit fünf Euro Kaltmiete je Quadratmeter liegt es deutlich unter den üblichen Preisen für Lagerflächen in Weinheim. Allerdings sind noch technische Ergänzungen erforderlich, etwa beim Einbruchschutz, beim Schutz vor UV-Strahlung und bei der Klimatisierung.
Langfristig denkt die Stadt auch über eine eigene Lösung nach. Oberbürgermeister Michael Möslang hat beispielsweise eine Aufstockung des Stadtarchivs ins Gespräch gebracht. Das könnte auf Dauer Mietkosten sparen. Bis eine solche Lösung geplant und gebaut wäre, würden allerdings Jahre vergehen.
Mehr Infos zu den Sitzungen am Mittwoch unter https://weinheim-sitzungsdienst.komm.one/bi/info.asp
